Programm

„Tod und Zerstörung haben nicht das letzte Wort“
Ausstellung „Oben ohne?“ zeigt Geschichte des Wiederaufbaus nach dem zweiten Weltkrieg

LÜBECK. „Oben ohne? Wie die Lübecker ihre sieben Türme retteten“ heißt die neue Ausstellung in der Lübecker Marienkirche. Sie wird am Sonnabend, 25. März 2017, um 12.30 Uhr im Rahmen der Mittagsandacht eröffnet. Der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg wirft anlässlich des 75. Jahrestages der Bombardierung Lübecks an Palmarum 1942 einen Blick auf den Wiederaufbau der Innenstadtkirchen.

„Dass die sieben Kirchtürme auch heute noch weit sichtbar in den Himmel ragen, grenzt an ein Wunder“, sagt Pröpstin Petra Kallies. „Drei der fünf mittelalterlichen Kirchen brannten während der Bombennacht 1942 vollständig aus, ihre Kirchtürme stürzten ein. Ein unermesslicher Schaden, der inmitten der größten menschlichen Not aber eigentlich überhaupt keine Rolle spielen konnte.“ Mehr als 15 000 Lübecker wurden in dieser Nacht obdachlos. Die folgenden Kriegs- und Nachkriegsjahre brachten zudem immer mehr Menschen auf ihrer Flucht in die Stadt an der Trave.

Und dennoch: Bereits 1947 formierte sich ein großes Bündnis in der Stadt zur Rettung der Kirchen. Die Marienkirche wurde zu einem großen Symbol: lübsche Herzenssache, religiöses Leuchtfeuer und politisches Statement. 40 Jahre lange haben die Lübecker ihre Kirchen wieder aufgebaut. Seit 1987 steht die Altstadt Lübecks mit ihrer ganz besonderen Silhouette auf der Liste des Unesco-Weltkulturerbes. All das zeigt die Ausstellung „Oben ohne? wie die Lübecker ihre sieben Türme retteten“.

„Es ist uns wichtig, dem 75. Jahrestag der „Palmarum-Nacht“ zu gedenken“, sagt Pröpstin Petra Kallies. „Wir erinnern uns an den Wahnsinn und Unsinn des Krieges und müssen ja leider sagen, dass Krieg und Gewaltherrschaft, Zerstörung und Vertreibung nach wie vor hochaktuelle Themen sind.“ Dem Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg sei es wichtig, nicht im trauernden Gedenken stehen zu bleiben. „Der gelungene Wiederaufbau ist eine mutmachende Erinnerung daran, dass Tod und Zerstörung nicht das letzte Wort haben.“, so Kallies. „Vielleicht ist es auch eine Ermutigung für die Flüchtlinge heute, dass nach einer politischen Wende in ihrer Heimat ein Neubeginn nicht nur nötig, sondern auch möglich ist.“

An acht Stationen erwartet die Besucher vor allem historisches Bildmaterial. Wer heute durch die Altstadt spaziert, kann sich nicht mehr vorstellen, wie Lübeck lange Jahre ausgesehen hat. Erst zwischen 1956 und 1961 wurden die Turmhelme von St. Marien, dem Dom zu Lübeck und St. Petri gebaut. Die Ausstellung zeigt viel unbekanntes Bildmaterial aus verschiedenen Archiven. Dr. Karen Meyer-Rebentisch und Dr. Jan Zimmermann haben „Oben ohne?“ konzipiert. Markus Endreß hat die Ausstellung gestaltet. Die Kirchenbauhütte des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg hat „Oben ohne?“ einen eindrucksvollen Rahmen gegeben. Bis zu vier Meter ragen Baugerüste in die Höhe. Sie halten nicht nur die Ausstellungstafeln, sondern sind auch Symbol für die harte Arbeit über Jahrzehnte. Die Kirchenbauhütte des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg arbeitet seit 1951 an den Kirchen. Die Kriegsschäden sind zwar Geschichte, aber die Arbeit hört nicht auf. Vor einigen Jahren hat der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg die Kampagne „Sieben Türme will ich sehen“ ins Leben gerufen. Sie ist eine gemeinsame Aktion mit den Kirchengemeinden der Innenstadt, um die Türme auch künftig zu erhalten. St. Marien, der Dom, St. Aegidien, St. Jakobi und St. Petri bilden in der Sieben-Türme-Einheit betrachtet eine Dauerbaustelle.

Die Ausstellung „Oben ohne? Wie die Lübecker ihre sieben Türme retteten“ ist bis zum 3. Juni 2017 zu den Öffnungszeiten der Marienkirche zu sehen: bis 31.03.: 10-16 Uhr, ab 01.04.: 10 -18 Uhr. Neben dem Marientaler wird kein weiterer Eintritt zur Ausstellung erhoben.